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Dicke Bretter, helfende Hände
Quelle: Westfälische Nachrichten vom 15.03.10

Die Jungbullen mögen die Ministerin - und die lässt sich gerne mal die Hand abschlecken. Mit der CDU-Landtagskandidatin Christina Schulze Föcking (kleines Bild) reicht ein tiefer Blick, sich der Wertschätzung zu vergewissern. Fotos:
(Achim Giersberg)
Steinfurt/Kreis Steinfurt - Wie das so geht: Da reicht man jemand den kleinen Finger - und der nimmt gleich die ganze Hand. Oder lutscht und nuckelt gar daran herum. Sowie gestern der zutrauliche Jungbulle im Stall von Familie Drerup würden wohl ihre EU-Amtskollegen die Ministerin sicher auch gerne ´rumkriegen, um beim großen Brüsseler Agrar-Monopoly bessere Chancen für ihre Bauern zu erstreiten. Doch da lässt Ilse Aigner nicht mit sich reden. „Kämpfen“ und „hart bleiben“ werde sie, für Deutschland und seine Bauern, und die vielen Begehrlichkeiten der anderen Länder abwehren, verspricht sie mehrmals und wird dafür von den rund 350 Landwirten in der zum Versammlungsraum umdekorierten Drerup´schen Scheune in der Borghorster Bauernschaft Dutum beklatscht.
Eine einheitliche Flächenprämie, wie sie manches EU-Land ab 2013 gerne hätte, werde es mit ihr nicht geben, versichert die Bundesministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz. Denn „das würde für Sie ein Viertel weniger bedeuten“, macht sie den Zuhörern klar. „Das wird ein ziemliches dickes Brett“ kommentiert sie die EU-Agrargestaltung nach 2013, um gleich aber zu beruhigen: „Doch sie glauben ja nicht, wie dicke Bretter ich bohren kann.“ Doch dafür brauche sie möglichst viel Unterstützung aus den Parlamenten, auch aus den Ländern. Und da ist sie auch schon beim tieferen Grund ihres Besuchs: Der NRW-Wahl am 9. Mai und der CDU-Landtags-Kandidatin Christina Schulze Föcking. Die gelte es zu unterstützen, fordert sie - so wie vor ihr schon CDU-MdB Jens Spahn und nach ihr der CDU-MdB Johannes Röring aus dem Kreis Borken. Dass die in diesem Kreise eigentlich gar keine helfenden Hände braucht, merkt man am Beifall für die junge Steinfurterin. „Ein echtes Heimspiel“, bemerkt Spahn.
„Ich möchte, dass jeder Landwirt im Münsterland eine faire Chance erhält“, führt die Kandidatin aus, und verspricht: „Die CDU steht für eine starke Argrarwirtschaft.“ Nur die CDU garantiere den Bauern „vernünftige Rahmenbedingungen“ . oder, auf bayrisch gesagt: „Mir san mir“.
Soviel Selbstbewusstsein gefällt der „Südpflanze“ Aigner, wie sie sich selbst bezeichnet. Der Beruf des Landwirts habe die größten Zukunftschancen - zumindest langfristig. Unter anderem werde es darum gehen, die „erste Säule“, also die Direktzahlungen, zu erhalten - manche Nordländer würden die nämlich am liebsten sofort abschaffen. Weiter bräuchten die deutschen Bauern ein „Sicherheitsnetz“, sprich: Interventionen, wenn die Preise unter ein bestimmtes Niveau fallen. Die „zweite Säule“, also die Mittel für den ländlichen Raum, gelte es zu stabilisieren. Das sei eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Dass die Verhandlungen mit 27 Amtskollegen in Brüssel nicht leicht seien, dass sie manchmal am „liebsten auf den Tisch hauen“ würde und doch stets den Kompromiss suchen müsse: Die bayrische Quereinsteigerin (gelernt hat sie Rundfunk- und Fernsehtechnikerin, arbeitete später in der Entwicklung von Hubschrauberelektronik) lässt sie des öfteren aufblitzen, diese Mischung aus Charme, Härte und unerbitterlicher Kompetenz, die man wohl braucht, um im Brüsseler Agrar-Dschungel zu überleben.
„Die Ilse“, wie Spahn sie nennen darf, hat das alles. Und hat spätestens seit gestern neue Fans im Münsterland gewonnen, Auch wenn die nicht alle ihr die Hand abschlecken dürfen . . .
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