Landwirtschaftsministerin
Ilse Aigners Mission für das Münsterland

Von Christiane Hildeband-Stubbe, Münstersche Zeitung

 

STEINFURT Wettermäßig zeigte sich das Münsterland dem hohen Besuch nicht eben freundlich. Umso stärker war der Empfang, den rund 350 Bauern aus dem Kreis Steinfurt am Montagnachmittag ihrer Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner boten. Ein „Heimspiel“ für den Gast aus Bayern – nicht nur für CDU-Landtagskandidatin Christina Schulze Föcking aus Steinfurt.
Ilse Aigner
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner war zu Besuch in Borghorst auf Hof Drerup.
Foto: Nico Drimecker
Die Ministerin lässt sich Zeit. Während drinnen in der für die Veranstaltung eigens hergerichteten Scheune auf dem Hof Drerup in Dumte die Gäste der Kreis-CDU frösteln, ist Aigner noch auf dem Rückweg von ihrem ersten Tagesauftritt in Hünxe. Mit halbstündiger Verspätung trifft sie ein.

Bundestagsabgeordneter Jens Spahn spannt den Regenschirm auf und sorgt dafür, dass Aigner trockenen Fußes den Drerupschen Stall erreichen kann. Für den angekündigten Rundgang durch den Betrieb aber bleibt keine Zeit mehr. Ein kurzes Streicheln der munter fressenden Jungbullen (Aigner zeigt keine Berührungsängste), ein rasches Foto mit der Gastgeber-Familie und auf geht‘s in den „Saal“. Die Ministerin bahnt sich den Weg durch die Massen und lauten Applaus.

Rückenwind für ihre schwierige Mission

Spätestens da ist klar, dass Ilse Aigner in diesem Teil des Münsterlandes nicht mit Gegenwind rechnen muss. Schließlich ist sie ja auch gekommen, sagt sie, um Rückenwind zu bekommen – für sich und ihre „Kollegin“ Christina Schulze Föcking. Und vor allem für ihre schwierige Mission, auf nationalem wie auf europäischen Parkett, verlässliche Rahmenbedingungen für die deutsche Landwirtschaft durchzusetzen: „Ich möchte, dass jeder Landwirt in Deutschland eine faire Chance erhält.“

Dass er für seine große Leistung auch ordentlich entlohnt und entschädigt werden soll, auch dafür will sie sich einsetzen. Solche Äußerungen kommen beim ländlichen Publikum bestens an. Und die Ministerin macht Mut: „Sie dürfen ein gesundes Selbstbewusstsein haben, Sie sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft.“

Essen als Statusfrage?

Ilse Aigner
Ilse Aigner war auf Mission im Münsterland.
Foto: Nico Drimecker
Dass allerdings das von der Gesellschaft nicht unbedingt so gesehen wird, viele den Beitrag der Landwirtschaft als viel zu selbstverständlich ansehen, erntet ministerielles Missfallen. Auch beim Umgang mit Lebensmitteln („die zentrale Frage der Zukunft“) beklagt sie eine zu geringe Wertschätzung. Aigners Wunsch und Hoffnung: „Vielleicht wird es mal eine Statusfrage sein, was ich esse, nicht welches Auto ich fahre.“

Die Produktion gesunder Nahrungsmittel sei aber genau wie die Frage der erneuerbaren Energien ohne die Beteiligung der Landwirtschaft nicht lösbar. Insofern ist ihre überraschende Bilanz: „Kein Berufsstand hat so gute Aussichten wie die Landwirtschaft – zumindest langfristig.“

"Dickes Brett" liegt noch im Weg

Allerdings, auch das lässt Aigner nicht aus, bei der Durchsetzung ihrer Anliegen liege vor allem auf europäischer Ebene noch „ein ziemlich dickes Brett“ im Weg. Ilse Aigner empfiehlt sich dabei als Kämpferin: „Sie wissen gar nicht, wie dicke Bretter ich bohren kann.“

Ihre Anschlussäußerung, dass es aber europäisch – angesichts von 27 weit aus einander liegenden Positionen – wohl auf einen Kompromissweg hinauslaufen wird, geht im Applaus unter. Auch kritische Nachfragen bleiben an diesem Nachmittag aus. Aigner hat ihre Mission als Wahlhelferin für NRW in Steinfurt erfüllt.


 

 
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